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Wundauflagen

Wundauflagen Modern - Konventionell

Wundauflagen Modern - Konventionell

Historisch gesehen wurden Wunden verbunden, um das Infektionsrisiko herabzusetzen. Physikalisch sollten sie die Wunde schützen. Sie wirkten auch psychologisch, indem sie dem Patienten die Sicht auf die Wunde verwehrte. Ihre Rolle bei der Wundheilung fand dagegen lange Zeit wenig Beachtung. Während der vergangenen Jahrzehnten wurden in der Entwicklung von Produkten für die Wundbehandlung erhebliche Fortschritte erzielt. Der Wundverband und die Wundauflagen setzen die Therapie, die diesbezüglich und selbstverständlich zur Wundursache (siehe ? Ursachen) passend begonnen hat, kontinuierlich fort. Einen für alle Wunden gleichermaßen gut geeigneten Verband kann es allerdings nicht geben.

Die Wundheilung ist ein dynamischer Prozess und die Anforderungen an die Funktion der Wundauflage ändern sich entsprechend dem Wundheilungsstadium, -phase und -beschaffenheit. Ein guter Wundverband ist wichtig und wirksam, verkürzt die Abheilungszeit, hebt den Patientenkomfort, v.a. in Richtung Schmerz und Beweglichkeit. Unsachgemäß angelegte Verbände können die Wundheilung verzögern oder sogar Schäden verursachen.

Unterschiedliche Möglichkeiten einer individuellen Wundauflage für Patienten :

Wichtig ist eine - persönliche Einschätzung und Beurteilung der Wunde (siehe ? Erkennen) Es hilft nicht, wenn man die Entscheidungen gewohnheitsmäßig fällt oder zu kompliziert und zu wenig praxisfähig durchführt. Dadurch entsteht oft eine unübersichtliche Aktenlage. Nicht selten sind die Wunddokumentationen lückenhaft oder wenig aussagekräftig.

Deshalb sollte eine - standardisierte Wunddokumentation im klinischen, ambulanten und bei der interdisziplinären Zusammenarbeit im Alltag erfolgen. Außerdem beinhalten gesetzliche Vorgaben die Verpflichtung zur Qualitätssicherung, d.h. eine Gewährleistung der transparenten und nachvollziehbaren Pflege und Durchführung des Verbandes an der Wunde durch Wunddokumentation. Abweichungen vom Standard sollten mit Begründung festgehalten werden. - individuelle Bedürfnisse des Patienten - aktuellen Wundzustand

Inzwischen ist eine Wundauflage nicht mehr nur Hilfsmittel, sondern sie stellt selbst das therapeutische Prinzip dar, das in jedem Heilungsstadium (siehe ? Wundheilung) für optimale Bedingungen sorgen soll. Die Anforderungen an die Wundauflagen haben sich unter dem Einfluss der modernen Wundversorgung geändert. Entgegen den traditionellen Prinzipien, dass eine Wundauflage nur als Träger eines Medikamentes dient, wirken die modernen Wundauflagen selbst als therapeutisches Mittel.

Moderne feuchte Wundauflagen verhindern das Austrocknen der Wunde.

Wundreinigung : Die Wundreinigung gehört zu jedem Verbandswechsel dazu. Nur so können sie angemessen bewertet und dokumentiert werden. Zu Beginn einer Wundbehandlung steht die Wundreinigung. Ggf. sind geeignete Maßnahmen zur Wundbettkonditionierung zu veranlassen, etwa ein Débridement (siehe ? Therapien).

Wundspülung : Darüber hinaus dient eine Wundspüllösung der Wundreinigung. Es werden abgestorbene Gewebepartikel, Beläge und Zelltrümmer aus der Wunde entfernt, ebenso ist bei Bestehen die Beseitigung des „Biofilms" wichtig.

Da eine Wundheilung erst ab 28°C stattfindet, sollte die Wundspüllösung vor Anwendung auf Körpertemperatur angewärmt werden. Diese Maßnahme dient der Schmerzverminderung und vermeidet zudem das Auskühlen der Wunde. Somit wird eine unnötige Verzögerung der Wundheilung verhindert. In erster Linie ist zu unterscheiden, ob es sich um eine nicht infizierte oder eine infizierte Wunde handelt. Liegt eine infizierte oder kritisch kolonisierte Wunde vor, sollte auf einen Einsatz von zeitgemäßen antiseptische Wundspüllösung auf Basis der Wirkstoffe Octenidin oder Polyhexanid übergegangen werden und auch die Wundversorgung sollte antimikrobiell ausgewählt sein.

Außerdem sollten wir bei den Wundauflagen auch immer an die Hautpflege ( siehe ? Hautbehandlung) an der Wundumgebung und an den Wundrandschutz denken. Kommen wir nun zu den einzelnen Wundauflagen. Die Frage lautet nun : Welche Wundauflage setze ich bei welcher Wunde ein ? Es folgt hier nun eine kurze Auflistung der einzelnen Wundauflagen mit kurzer Beschreibung und evtl. Einsatzmöglichkeiten. Ich weise darauf hin, dass ich neutrale Angaben zu den individuellen Wundauflagen mache und keine Firmennamen nennen werde. 

Konventionelle Wundauflagen

Mullkompressen :

Mehrlagiges, reines, gebleichtes Baumwollgewebe, fein- oder grobmaschig je nach Fadendichte, saugt Wundexsudat bei Kontakt mit Wundgrund auf. (Kombinierte) Saugkompressen : - Hülle : Vliesstoff (meist wasserabweisende Fasern), der im direkten Kontakt zum Wundgrund steht - Innen : hydrophile Materialien, z.B. Zellwolle, Watte zum Aufsaugen von Wundflüssigkeit. Einige Produkte sind speziell beschichtet, um ein Verkleben mit dem Wundgrund zu verhindern. Wundschnellverbände (haushaltsübliches Pflaster) :Haftendes Trägermaterial, Zeitsparende Fixierung

Moderne Wundauflagen :

Imprägnierte Wundgazen - Wunddistanzgitter: Gitternetz aus natürlichen oder synthetischen Materialien mit/ohne Beschichtung, mit verschiedenen großen Poren; verhindert Verklebung mit Wundgrund, wird mit Kompresse zur Aufnahme der Wundflüssigkeit abgedeckt

Spezielle Wundkontaktverbände – Silikon Wundauflagen : Anwendung : Einige Produkte für die Therapie von hypertrophen Narben, Abdeckung offener Weichteildefekte, Fixierungen von Hauttransplantaten, Behandlung bei thermischen Verletzungen

Hydroaktive Wundauflagen : Alginate : Werden aus natürlichen Braunlagen hergestellt, bestehen aus tamponierbaren, wirkstofffreien Calcium-Alginat-Fasern, ggf. mit Spurenelemente (Zink und Mangan) oder Gelbildner, als Kompressen oder Tamponade erhältlich, werden in Kontakt mit Wundflüssigkeit gelförmig, dienen als Wundfüller, vermeiden Traumatisierung von Gewebe

Aquafaser – Verbände : Entstammen Chemiefasern aus synthetischen Polymeren, dienen als Wundfüller. Anwendung : Reinigung von Wunden mit Belägen und/oder Infektionen, mäßig bis stark nässende Wunden, Feuchthaltung der Wunden in der Granulations- und Epithelisierungsphase, tiefe / unterminierende Wunde, Verbrennungswunden 2. Grades

Hydrofiber – Verbände : Drapierfähige, weiche Vlieskompressen und Tamponadestreifen aus Natriumcarboxymethylcellulose – Fasern.

Hydrogele : Wassergehalt zwischen 30 – 95 % , in Form von durchsichtigen Kompressen oder als Gel in der Tube

Wundauflagen zur Nasstherapie : mehrschichtige , kissenförmige Wundauflage , zentraler Bestandteil ist ein superabsorbierendes Polymer, sind gebrauchsfertig mit Ringerlösung aktiviert,

Hydrokolloide : Semiokklusive (halbabdichtende) Wundauflage mit wasserabweisender Polymermatrix, bestehen aus dünnem Polyurethan-Film oder einem Schaumstoff, auf dem eine selbstklebende Masse aufgebracht ist, enthält stark quellende Partikel, meist Carboxymethylcellulose, Pektin, Karaja-Gummi oder Gelatine, eingebettet in eine Trägersubstanz aus synthetischen Kautschukarten

Kombinierte Wundverbände : sind mehrschichtig aufgebaut, vereinigen mehrere Wirkprinzipien von hydroaktiven Verbänden (selbstklebende Verbände, Trägermaterial, superabsorbierende Saugschicht)

Schaumstoffkompressen / Hydropolymere : Polyurethan(PU)- Weichschaumkompressen, als Hydropolymere bezeichnet, die expandieren und der Wundoberfläche entgegenquellen, sehr feinporig, thermisch geglättet, auch als Prokukte zum Austamponieren erhältlich, Produkt mit eingebautem Schmerzmittel erhältlich

Offenporige Schaumstoffkompressen : Polyurethan – Schaumstoff mit offenporiger Oberfläche

Semipermeable Wundfolien : Hauchdünne, transparente Membrane aus Polyurethan, verhindern Eindringen von Erregern und Nässe, gestatten Sauerstoff- und Wasserdampfaustausch, hypoallergener Acrylatkleber

Wundauflagen mit Superabsorber : Polyurethanfolie mit Superabsorbern auf chemischen Grundbausteinen, feinverteilte Poyacrylatpartikel, sehr saugfähig

Bioaktive Wundtherapeutika : können pathologisches Wundmilieu positiv beeinflussen, überschüssige Proteasen werden inaktiviert, Wachstumsfaktoren werden geschützt, nehmen Wundflüssigkeit und Zelltrümmer auf

Kollagen- Wundauflagen : Durch Gefriertrocknung von wässrigem Kollagen entstehen poröse, schwammartige Wundauflagen, offenporige Struktur, Exsudat und Zelltrümmer werden angesaugt, physikalisch reinigend, stimuliert Synthese,

Gelantinehaltige Wundauflagen : Anwendung : blutende Wunden, akute Wunden, z.B. Verbrennungen, Schusswunden, chronisch, sekundär heilende Wunden

Hyaluronsäurehaltige Wundtherapeutika : Hyaluronsäure ist Bestandteil der Zellmatrix, hohe Anteile in der Haut, bindet Wasser, fördert die Proliferation von Fibroblasten sowie die Migration der Epithelzellen,


Antibakterielle Wundauflagen :

Wundauflagen mit Honig : wundreinigende und geruchsmindernder Effekt, hohe Zuckerkonzentration, unterstützt autolytische Wundreinigung, bakterizide Wirkung,

Hydrophobe Wundauflagen : antibakterielle Wirksamkeit, beruht auf das physikalische Prinzip der hydrophoben Anziehung, besteht aus beschichteten Acetetgewebe bzw. Baumwollgewebe, reinigende Wirkung

Antiseptikahaltige Wundauflagen : Dazu zählen auch die Hydrogele, die Produkte sind in Kompressenform oder als Gel erhältlich, unterstützen die wundreinigende Eigenschaften, manche Produkte sind mit Jodzusatz erhältlich, befeuchten und reinigen von Wunden

Silberhaltige Wundauflagen : Fast alle Wundauflagentypen sind mit Silber erhältlich, Grundvoraussetzung ist die Freisetzung des wirksamen Prinzips der „Silber-Kation"

Aktivkohlekompressen : haben alle eine geruchsbindende Aktivkohleschicht, je nach Produkt sehr unterschiedlicher Aufbau, sind mehrschichtig,

Silberaktivkohle : Vliesstoffumhüllung, in die ein mit elementaren Silber beschichtete Aktivkohle eingeschlossen ist, bindet Gerüche, breites Wirkspektrum gegen Erreger, gibt geringe Mengen von Silberionen ab

Sprühpflaster : Enthalten sog. Filmbildner (z.B. Polymerfilm), wasserfest, atmungsaktiv

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