Wundheilung

Unter dem Begriff „Wunde" werden jegliche mit Gewebezerstörung und -verlust einhergehende Zusammenhangstrennungen von Gewebe definiert. Die Vereinigung durchtrennter Gewebe erfolgt zunächst durch gleichartige Gewebereaktionen, die unter dem Begriff „Wundheilung" zusammen gefasst werden. Die Wundheilung gehört zu den erhaltenden Funktionen des Organismus, der auf die Eventualität einer Verwundung vorprogrammiert ist.
Der Verschluss eines Gewebedefektes kann über zwei grundlegende Mechanismen realisiert werden:
- Regeneration (gewebespezifischer Ersatz, ursprünglicher Zustand von Struktur und Funktion wird wiederhergestellt, z.B. Blut, oberflächige Hautabschürfungen, Schleimhaut)
- Reparation (unspezifischer Ersatz, Narbe)
Eine Wundheilung findet erst ab 28°C statt, da ab dieser Temperatur die Zellteilung (Mitose) beginnt. Deshalb stellt ein feucht-warmes Milieu die optimale Grundlage für die Wundheilung dar. Die Wundheilung ist ein dynamisches Geschehen mit Phasen, in denen Material abgebaut wird (katabole Phase) und aufgebaut wird (anabole Phase). Sehen wir uns doch die Wundheilung im Einzelnen an, um es als Grundlage besser zu verstehen.
Welche Formen der Wundheilung gibt es ?
Sie werden in 3 Formen der Wundheilung eingeteilt :
- die epitheliale Wundheilung (oberflächig)
- die primäre Wundheilung
- die sekundäre Wundheilung
Bei der epithelialen Wundheilung ist die Wunde oberflächig z.B. die Schürfwunde, d.h. es wurde nur die Oberhaut (Epidermis) verletzt. Dies führt zu einer regenerativen Wundheilung ( Heilung ohne Defekt an Struktur und Funktion). Es kann beobachtet werden, dass diese Wunden unter einem Schorf abheilen. Die Hautzellen haben die Kraft sich zu regenerieren und die Wunde heilt vollständig und innerhalb von wenigen Tagen ohne Narbe ab.
Bei der primären Wundheilung handelt es um chirurgische oder frischen (nicht älter als 4-6 Stunden), komplikationsfreien, nicht infektiöse abheilende Wunden. Die Wundränder sind dicht nebeneinander, gleichmäßig, glatt durchtrennt (z.B. Schnittwunde). Die aseptische Reaktion der Wunde ist innerhalb von wenigen (3-5) Tagen abgeschlossen. Durch die Blutgerinnung entsteht ein Blutkuchen auf der Oberfläche. Bei einer unbedeckten Wunde trocknet er zu einem Wundschorf, der als natürlicher Wundverband anzusehen ist. Durch viele verschiedene Körperzellen (Leukozyten, Makrophagen, Fibroblasten...) wird der Wundspalt geschlossen. Dies führt zu einer reparativen Wundheilung (Heilung mit einer evtl. Funktionsstörung und einer Narbe - zuerst rosa danach verblasst sie).
Die sekundäre Wundheilung setzt ein, wenn eine
primäre Wundheilung nicht möglich ist. Dazu zählen alle
infektionsgefährdeten, infizierten, großflächigen Wunden, Verbrennungen
und chronischen Wunden, bei der eine oder mehrere Erkrankungen zu Grunde
liegen. Als chronische Wunde wird bezeichnet, wenn sie nach 4 – 12
Wochen unter fach– und sachgerechter Therapie nicht heilt.
Man teilt in 4 Wundphasen ein die ineinander verlaufen können.
Die Aufgabe dieses Heilvorganges ist die Auffüllung eines
Gewebedefektes mit Granulationsgewebe. Erst nachdem der Gewebedefekt
aufgefüllt ist, kann die Überhäutung (Reepithelialisierung) stattfinden.
Im Gegensatz zur primären Wundheilung beansprucht die sekundäre Heilung
eine längere Heildauer, es kommt meist zu größeren Einbußen in der
Morphologie sowie in der Funktion des verwundeten Gewebes. Die
Behandlung einer sekundär heilenden Wunde muss mehr Aufmerksamkeit als
einer primär heilenden Wunde gewidmet werden, da es während jeder
Wundheilungsphase zu Wundheilungstörungen kommen kann. Denn das
neugebildete Gewebe ist außerordentlich zerbrechlich und muss vor einer
Traumatisierung (z.B. beim Verbandwechsel) durch geeignete Wundauflagen
geschützt werden.
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